Krippenwelt

Hirten mit Schafen

P1000587Inhalt dieser Seite:

    1. Die Krippe von St. Luzen in Hechingen
    2. Philippe de Berlaymont    
    3. Die Mesner der St. Luzenkirche und ihre Krippe

 

Die Krippe von St. Luzen in Hechingen

Jedes Jahr, zwischen Weihnachten und Ende Januar, ist die große Krippe in der St. Luzenkirche in Hechingen aufgebaut. Groß ist die Krippe in mehr als einer Hinsicht: Zum einen ist sie räumlich groß – der ganze Chorraum ist Krippe – und zum anderen sind die Figuren bis zu einem Meter groß und so verschmelzen Kirche und Krippe zu einer „groß“artigen Einheit.

Die Barockkrippe von St. Luzen                Bild: Foto Keidel Hechingen

Zur Geschichte der Krippe

Erstaunlicherweise gibt es über diese historische Krippe wenig schriftliche Zeugnisse. Erschwerend kommt noch hinzu, dass wenn über eine Krippe von St. Luzen berichtet wird, oft die Ströbelekrippe 1 oder die Buhlsche Krippe 2 gemeint ist oder Wissenswertes von diesen  Krippen miteinander vermischt ist.3 Der bisher älteste Hinweis auf die jetzige Krippe befindet sich in einem Inventarverzeichnis vom 19. November 1819. Unterzeichnet von Frater Irenä Ertle und Frater Isack Schmid heißt es darin:    „In der Sakristeikammer: Zur Krippe 26 Personen und die dazugehörigen Kleider.
                                    “Außerdem: „Nro. 15 befindet sich zu der Krippe gehörigen Geräthschaften“. 4
Da es die Ströbelekrippe 1819 noch nicht gab und die Buhlsche Krippe über 200 Figuren besitzt, kann davon ausgegangen werden, dass hier von der heutigen Krippe die Rede ist.

Eine weitere Quelle ist die Zeitschrift „Der Katholik“ von 1841, in dem sich ein Augenzeuge erinnert:
Von früheren glücklicheren Tagen zeugt noch das in der Nebenkapelle des hl. Antonius von Padua zur Weihnachtszeit errichtete Kripplein, welches alle evangelischen Begebenheiten, von der Geburt des Herrn
bis zum zweiten Sonntag nach Epiphania – zur Hochzeit in Kanaan – sinnbildlich darstellt und durch Ver-änderung seiner Personen und Situationen der christkatholischen Jugend und jedem kindlichen Gemüte jene Engel, Hirten und Könige samt ihren strahlenden Kleidern, Schalmeien und Kamele, so lebendig und anschaulich vor die Seele rückt, dass auch die Einfältigen und Geringsten hier eine deutliche Anschauung von jenen hohen himmlischen Ereignissen erhalten, wodurch die Erlösung des Menschengeschlechtes eingeleitet worden ist.“ 5

Das nächste sichere Datum kam bei der Restaurierung zum Vorschein: das hohle Auge eines Hirten war mit Zeitungsschnipseln des Schwarzwälder Boten von 16. November 1842 ausgefüllt. In dieser Zeit war die Krippe also bereits renovierungsbedürftig. Diese Tatsache und der Vergleich mit anderen historischen Krippen lassen auf eine Entstehungszeit im ausgehenden Barock schließen. Der frühere Hechinger Stadtpfarrer Rudolf Schatz nahm sogar an, dass die St. Luzenkrippe um 1740 entstanden ist. Er vermutete auch, dass die Krippe aus der Gegend um Mindelheim, Landsberg und Augsburg stammt, da viele Mönche von St. Luzen aus diesem Raum kamen und zudem die Krippen-figuren mit der Jesuitenkrippe aus Mindelheim große Ähnlichkeit haben.6  Bis jetzt konnte jedoch noch nicht bestätigt werden, dass die Hechinger Krippenfiguren einst zur Mindelheimer Jesuitenkrippe gehörten. Auf eine diesbezügliche Nachfrage antwortete das katholische Pfarramt St. Stephan in Mindelheim nur: „Die Ähnlichkeit der Figuren in der Jesuitenkirche mit denen in St. Luzen ist in Fachkreisen bekannt. Nicht bekannt ist hier in Mindelheim, dass etwa im 19. Jahrhundert Figuren nach Hechingen durch Kauf oder Schenkung gekommen sein sollten. Es ist richtig, dass die Jesuitenkrippe früher wesentlich umfangreicher war. Wohin ältere, heute nicht mehr vorhandene Figurenbestände gekommen sind, lässt sich leider nicht mehr feststellen oder rekonstruieren.“
Erklären ließe sich die Ähnlichkeit der beiden Krippen auch damit, dass vielleicht diejenigen Hechinger Mönche, die aus der Mindelheimer Gegend kamen, Kontakte zu der Werkstatt hatten, aus der die Figuren der Mindelheimer Jesuitenkrippe stammen.

Dr. Bollinger, der ehemalige Vorsitzender des Sülchgauer Altertumsvereins in Rottenburg, hat eine andere Hypothese: 1773 wurde das Jesuitenkolleg in Rottenburg aufgelöst, der Sitz der Marianischen Kongregation des Jesuitenkollegs kam dabei nach Hechingen.8  In diesem Zuge könnte auch die Krippe der Rottenburger Jesuiten in St. Luzen ein neues Zuhause gefunden haben. In den Aufhebungsakten des Jesuitenkollegs Rottenburg, die im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart aufbewahrt werden, wird tatsächlich mehrmals „das Krippel“ erwähnt, aber es hatte „16 kleine Engelein“ und „45 Figuren ohne Kleidung“ und sollte an den Meistbietenden versteigert werden. Da die St. Luzenkrippe nach dem Inventarverzeichnis 26 Figuren zählte, darf bezweifelt werden, ob dieses „Krippel“ tatsächlich das „Kripple“ von St. Luzen ist. 9

Aufbau der Krippe

Die Herkunft und das Alter der Krippe sind also unklar, gesichert ist aber, wie und wo sie aufgebaut worden war. Bis zu ihrer Renovation hatte sie ihren Platz in der Antoniuskapelle; dort wurden, auf einer erhöhten Bühne mit Hintergrunds-kulisse, vier Szenen gezeigt: die Geburt, die Anbetung der Heiligen Drei Könige, die Darstellung im Tempel und die Hochzeit in Kana. Diese Tradition wurde an Weihnachten 1967 beendet, als eine Stuckrosette vom Gewölbe der Anto-niuskapelle abstürzte und den Krippenaufbau zerschlug. Die Kirche wurde wegen Einsturzgefahr geschlossen, instand gesetzt und erst 1975 wieder eröffnet.10  Die Krippe, die in dieser Zeit ausgelagert gewesen war, kehrte zwar zurück, war aber in einem erbärmlichen Zustand, so konnten zum Beispiel viele Figuren überhaupt nicht mehr stehen.
Stadtpfarrer Rudolf Schatz erkannte dann den Wert der Krippe und ließ sie von Gisela und Peter Früh aus Salem-Neufrach restaurieren. In ihrer neuen barocken Lebendigkeit wurde sie Weihnachten 1985 zum erstenmal aufgestellt, und zwar im Chorraum. Jahr für Jahr kamen weitere renovierte Figuren hinzu, bis schließlich der ganze Chorraum Krippe war. Da die Krippenkulissen nicht mehr existieren, wird inzwischen aus Styropor, Rupfentüchern, Moos und Naturmaterialien eine Landschaft geschaffen, in die hinein die Figuren gestellt werden, nicht mehr als Wechselkrippe mit vier Szenen, dafür immer ein wenig anders. Zudem wird seit 1993 auch wieder umgestellt: die Hirten machen den Königen auf den 6. Januar Platz und kehren auf ihre Weiden zurück.

Heute besitzt die Krippe insgesamt 48 Figuren, 22 mehr als im Inventarverzeichnis von 1819 erwähnt. Eine Krippe lebt eben, nie ist sie fertig, stets wurde und wird abgeändert, ergänzt oder umgestaltet. So auch in Hechingen: Der große Engel ist zum Beispiel eine Schenkung aus einem Hechinger Privathaus. Die vier kleinen Engel sind neu, alt sind nur ihre Köpfe, sie stammen vermutlich von der zerstörten Kulisse, die Körper ergänzten Familie Früh. Die Tiere ( 7 Schafe, 1 Kamel, 1 Hund, 1 Esel, 1 Ochs ) schnitzte ab 1985 nach und nach Peter Früh. Das kleine Pferd könnte von einem Altar stammen, denn es ist nur auf einer Seite plastisch. Des Weiteren gibt es noch fünf  kleinere Figuren (die Schwestern, der kleine Hirte, der Schleppenträger und der Bettelmönch), sie gehören vermutlich nicht zur ursprünglichen Krippe, denn die übrigen fünfundzwanzig Figuren haben alle „Jesuitenmaß“, das heißt sie sind zwischen 85 cm und 94cm groß. Diese Figuren mitsamt dem kleinen Jesuskind dürften jene „26 Personen“ aus dem Inventarverzeichnis von 1819 sein. Nur sie sind voll bewegliche Holzgliederpuppen, das heißt, die Gliedmaßen sind mit Scharnieren versehen, somit hat man beim Aufstellen die Möglichkeit, die Figuren zum Beispiel sitzen, knien oder etwas heben zu lassen.
Die Köpfe sind lose, können also auf andere Körper gesetzt werden. Da es früher auch noch verschiedene Kleider gab, konnte man die Figuren zusätzlich noch umziehen und auf diese Weise verschiedene Personen bekommen. Der braun gekleideten Hirten z.B. war auch Simeon, Aaron, Jesus bei Hochzeit, wie man noch auf seinen Beinen lesen kann. Heute hat jede Figur nur „ihr“ Kleid. Bei der Restaurierung wurde versucht, die alten, oft kostbaren Kleider so weit wie möglich zu erhalten (Maria, die Könige und die Hirten), dem Josef, den königlichen Dienern, den Standartenträgern und den Frauen wurden jedoch neue Kleider, wenn möglich aus alten Stoffen, geschneidert. 11
Maria ist eine besondere Figur: Nur sie hat Glasaugen. Vor der Restaurierung waren sie und die barocken Engeln auch die einzigen mit echtem Haar. Ab 1985 bekamen dann die Frauen und die Mädchen sowie zwei Hirten und zwei Diener richtiges Haar. Die Haare der übrigen Figuren  sind geschnitzt und bemalt.

Sechs Wochen im Jahr zeigt sich die Krippe in ihrer ganzen Pracht. Die himmlischen Heerscharen, den römischen Legionären nachgebildet, verkünden die frohe Botschaft, die Hirten und die Frauen bringen ihre Gaben und die Heiligen Drei Könige beten andächtig. Ihre drei Diener sind so fürstlich gekleidet, dass mancher Besucher meint, es wären sechs Könige. Zwischen Maria und Josef aber liegt die kleinste und wichtigste Figur. Was wäre auch eine Krippe ohne Jesuskind?

 

Quellen:

1  Der frühere St. Luzenmesner Adalbert Ströbele baute ein Leben lang an „seiner“ Krippe. 1907 machte er den Anfang mit Maria, Josef und dem Kind. Die Krippe befand sich in seinem Wohnzimmer, der ehemaligen Krankenstube des Klosters. Sie wurde zur Weihnachtszeit viel besucht. Die Krippe (mit ca. 200 Figuren) befindet sich heute bei Maler Hermann Ströbele in den Schelmenäcker/Hechingen –  In Hohenzollerische Zeitung vom 24.12.1994
2  Eine weitere Krippe soll der Überlieferung nach ebenfalls aus St. Luzen stammen. Sie galt als die schönste süddeutsche Krippe. Fürst Friedrich soll sie seinem Mundkoch Franz Josef Gfrörer geschenkt haben, dessen Sohn Kronenwirt und Posthalter in Rottenburg war. Dort wurde die Krippe dann im Wartezimmer aufgebaut. Später erwarb sie der Lehrer Pius Buhl aus Baisingen. Heute ist sie im Besitz des Württembergischen Landesmuseums in Waldenbuch – In Hohenzollerische Zeitung vom 24.12.1994 und Ludwig Egler: Chronik der Stadt  Hechingen S. 154
3 So bei Heinrichsperger: Er (St. Luzenmesner Adalbert Ströbele) hatte die alte (Kloster)Krippe in seiner Wohnung, die, wie in ganz Tirol und Bayern, eine Zimmerwand einnahm. In Max Heinrichsperger: Hechingen/Hohenzollern. In: Alemania Franciscana Antiqua 16, S. 172
4 Otto Werner: Die Säkularisation des Franziskanerklosters St. Luzen und des Kollegiatsstifts St. Jakobus in Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 2002/3, S. 137
5Otto Werner: Die Säkularisation des Franziskanerklosters St. Luzen und des Kollegiatsstifts St. Jakobus in Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 2002/3 S. 171
Hohenzollerische Zeitung vom 24.12.1985
Aus dem Schriftverkehr von Ruthild Mangler mit der katholischen Pfarramt St. Stephan in Mindelheim vom 19.10.1994
Zimmermann/Priesching(Hg) Württembergisches Klosterbuch, Thorbecke, 2003  S.413 ff
Hauptstaatsarchiv Stuttgart: B 40 Bü 538
10 St. Luzen in Hechingen, Theiss, 1991
11 Informationen von Hedwig und Anton Wolf, Mesner in St. Luzen

 

Aus Paradisus puerorum

Aus Paradisus puerorum

Phillipe de Berlaymont

Der Jesuit Philippe de Berlaymont veröffentlichte 1619 in Köln sein Werk „Paradisus puerorum“ 1. Das Buch ist eine religiöse Unterweisung, es hat 782 Seiten und ist lateinisch geschrieben.

Im 1. Teil, Kapitel 8, von Seite 67 – 79 schreibt Berlaymont auch über Krippen: Anhand der Vita Jeremiae 2 zeigt er, dass bereits im vorchristlichen Ägypten eine Jungfrau mit ihrem Kind, das in einer Krippe liegt, verehrt wurde. Ohne großen Übergang stellt er dann die christliche Krippe vor. Von einer  genauen  Anleitung kann aber nicht die Rede sein. Ausführlicher wird die Weihnachtsfeier des hl. Franziskus in Greccio geschildert. Anschließend werden mehrere Wunder beschrieben, die sich an der Krippe in der Christnacht ereignet haben – für Berlaymont ein Beweis, dass die Verehrung der Krippe Gott gefällig ist. Am Ende des Kapitels wird nochmals über die Krippe von 1599 in Lahore in Indien berichtet.

 

Im Folgenden die – möglichst wörtliche – Übersetzung dieser Seiten von Engelbert und Ruthild Mangler:

Kapitel VIII

Die Verehrung der Geburtstage des neugeborenen Kindes Jesu und die Wunder seiner Wiege

Allen Ehrenwerten ist die Gewohnheit bekannt geworden, nach der wir jährlich im frommen Brauch der Älteren die Umstände bei der Geburt Christi, die kleine Wiege Jesu aus dem Stall von Bethlehem im Abbild feiern. Wir gestalten in richtiger Erinnerung: wie nämlich die fromme Begründung dieser Sitte in fast allen Gegenden bekannt war, so weit ist sie auch in entfernteste Länder vorgedrungen. Wohl haben wir erfahren, dass im orientalischen Indien die Krippe zu Ehren des geborenen Erlösers – nicht gerade lange her  – aufgebaut gewesen ist, zu der an 20 zusammenhängenden Tagen  eine so große Menschenmenge zusammen gekommen ist, so dass leicht, schätzungsweise (geglaubte) 4000 Menschen zusammengeströmt sind. Ist sogar bei den Ägyptern diese Sitte erhalten gewesen, lange vor Christi Geburt? Wenn wir nämlich mit Epiphanius glauben, dass Jeremias zusammen mit den Juden irgendwann bei den Ägyptern verbannt war, sagte er deren Priestern die Zerstörung ihrer Götzenbilder voraus, die sie – selbst von Handgemacht – so eitel verehrten. Mit diesen Worten: er prophezeite, dass alle ihre Heiligtümer einst einstürzen und zugleich alles von Hand gemachte hinabstürzen wird, sobald die gebärende Jungfrau mit ihrem Gott gleichen Kind aufgeht. Die Ägypter folgten dieser Weissagung so weit, dass sie einst den feierlichen (alljährlichen) Brauch eingeführt haben, eine Jungfrau im Bett und ein Kind in einer Krippe aufzustellen und anzubeten. Von einem König irgendwann später befragt, was dieser Ritus sollte, antworteten sie, dies sei ein Geheimnis, welches ihre Vorfahren schon längst vom Hl. Propheten überliefert angenommen hätten.

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Ist es folglich erstaunlich, wenn wir uns mit diesem Ritus ein solches überliefertes Geheimnis in Erinnerung zurückrufen und uns vor Augen führen? Hierhin bauen sie ein Haus aus Stroh, am Dach befestigen sie einen überstehenden Stern und mitten zwischen der hl. Jungfrau und Joseph stellen sie ein Kleinkind in einer Krippe. Sie fügen den Hirten die Engel hinzu, und das (alles) so, dass die Betrachter ein größtmögliches Gefühl von Frömmigkeit erfahren und so sehr (ganz) in das Mysterium hineinfühlen, dass sie meinen, das Kindergeschrei mit dem Ohr zu empfangen, die Windeln wirklich zu berühren, den Gesang der Engel zu hören, nicht ohne einen gewissen heiligen Schauder. Da Gott sich durch zahlreiche Wunder geoffenbart hat, dass ihm diese Frömmigkeitsübung gefällig ist, wo sie doch von den zahlreichen Catomanen als Theater und kindisch angesehen werden könnte, ist sie als begrüßenswert, ja sogar heilig anerkannt in göttlicher Vorsehung.

§ 1 Hirten sehen zuerst den Geburtsort des Kleinkindes Jesus

Die Krippe des Herrn, dem höchstberühmte Thron des wahren Salomons gleich, haben zuerst die Hirten aus Bethlehem besucht. Den himmlischen Heerscharen ziemte es sich, dass sie hinzugezogen werden.

§ 2 Könige fallen vor dem Kleinkind Jesus nieder

Den Hirten sind die morgenländischen Könige gefolgt, die durch den Aufgang eines fremden Sterns stark beunruhigt, mit großen Schritten weite Strecken durchmessen haben. Sie brachten mehr zum Glauben an das kleine Kind sowohl dem großen König als auch Gott ehrfurchtsvoll Geschenke mit. (§ 3 fehlt, § 4 doppelt ausgewiesen: Redaktion fehlerhaft) 

§ 4 Der hl. Franziskus vergegenwärtigt die Krippe des Herrn auf fromme Weise und er nimmt sich mit großer Gewissenhaftigkeit (Ehrfurcht) das zu Erneuernde vor.

Am dritten Jahr vor seinem Tod brachte der hl. Fanziskus zuwege,  dass er das Gedenken an die Geburt des Knaben Jesus auf eine Verehrung anregende Weise bei Greccio darstellte, so feierlich wie er vermochte.  Dies könnte wahrhaftig und in der Tat einer Erneuerung (Neuheit) zugeschrieben werden, er veranlasste mit der erbetenen und gewährten Erlaubnis des Papstes,  dass eine Krippe bereitgestellt werde, Heu herbeigeschafft werde, Rind und Esel zum Ort herangeführt werden. Die Brüder werden herbeigerufen; die Leute kommen;

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der Wald ist durchdrungen von Stimmen, und jene verehrungswürdige Nacht wird reichlich hell und mit Lobliedern, die im Einklang feierlich widerhallen, durchsetzt. Der Mann Gottes steht vor der Krippe von Frömmigkeit erfüllt, mit Tränen überströmt und vor Freude überwältigt, die Feierlichkeiten der Messen werden über der Krippen zelebriert, mit Franziskus, dem Diakon Christi, der das Evangelium singt, er predigt danach dem umherstehenden Volk über die Geburt des armen Königs, den er, indem er  ihm einen Titel geben wollte, vor Zartheit der Liebe das „Kind von Bethlehem“ nannte.

Ein gewisser tüchtiger und aufrichtiger Soldat aber, der hl. Johannes von Greccio, der den weltlichen Militärdienst aus Liebe zu Christus verlassen hatte, war dem Mann Gottes in enger Freundschaft verbunden; dieser versicherte für sich, das wohlgestaltete Knäblein in jener Krippe schlafen gesehen zu haben, welches – der Selige Franziskus mit beiden Armen umfangend – beim Aufwachen aus dem Schlaf gesehen wurde: zwar macht in der Tat nicht nur die Heiligkeit des Geschauten die fromme Vision des Soldaten glaubhaft, aber die würdige Wahrheit beweist und die nachgefolgte Wunder bestätigen: Nämlich das von der Welt betrachtete Beispiel des Franziskus (Fehler, nicht Christi) wird ein Weckmittel der erstarrten Herzen im Glauben an Christi und das Heu der Krippe wird vom Volk aufbewahrt und wunderbarerweise wird es ein Heilmittel für erkrankte Tiere und ein Abwehrmittel gegen andere verschiedene Seuchen.

§ 4 Christus erscheint der S. Clara in seiner Geburtsstunde

Die Jungfrau Clara ist von der Lehre des S. Franziskus erfüllt, dem so großen Meister eine würdige Schülerin. Am Tag bevor der Geburt des Herrn kam, war sie krank und es war ihr nicht erlaubt mit den übrigen Schwestern beim Ritual die Gebeten der Heiligen Nacht durchzuführen. Doch die ungünstige Gesundheit konnte den Körper behindern, die Seele nicht: Die Magd Christi war im Geist dabei, wo sie im Fleisch nicht dabei sein konnte. Den zurück gekehrten Schwestern hat sie richtig berichtet, was immer zwischen den Abwesenden gesagt und getan wäre und sie hat für die Verwunderten beigefügt, sie habe alles genau erkannt – Jesus also ergeben betrachtend habend, als er im Bettchen ruhte – was sich in der Kapelle in der Ferne ereignet habe. Dann ist ihr erschienen das Kind Jesus an demselben Ort zu der Stunde in der er geboren werden wollte. Und was sie selbst nicht sahen, die dort zusammen gekommen waren, hat sie verdient zu sehen.

§ 5 Das Kind Jesus wird dem S. Bernhard in der Geburtsnacht offenbart.
§ 6 Eine gewisse fromme Frau wird durch den Anblick des Kindes Jesu erfreut und stirbt.
§ 7 Ein zwölfjähriges Mädchen wird an der jährlichen Wiege Christi geheilt.
§ 8 jemand, der die Kindheit Jesu feiert, wird durch dessen Zuspruch erfreut, und wandert in den Himmel.
§ 9 Die Gegenwart des Kindes Jesu schließt einen Dämonen vom Geburtsfest aus.
§ 10 Eine Sünderin, der die Kindheit Christi betrachtet hat, wird in der Hoffnung besonders aufgerichtet.
§ 11 Eine Fromme mit einer langjährigen Krankheit wird geheilt, als sie das Bild des Kindes Jesu verehrt.
§ 12 Das Bild der Geburt Christi eingeschnitzt in das Herz der S. Margareta.
§ 13 Die S. Angela von Foigno sieht die Jungfrau Maria, die das Kind Jesu im Tempel darstellt
und ihn in die Arme nimmt.
§ 14 Eine Frau, die das Bild des Kindes Jesu verehrt, wird beschenkt mit der Möglichkeit einherzugehen.
§ 15 Die Hl. Catharina von Bologna empfängt Jesus aus Marias Händen.
§ 16 (Die Nonne) Ida sieht in der Geburtsnacht Jesus in der Eucharistie.
§ 17 Ein Säugling wird dem Kleinkind Jesu angeboten.

Lahore im Orientalischen Indien im Jahre 1599. Am Tag der Geburt haben Patres zur Ehre und zur Erinnerung an den heilbringenden Sohnes eine Krippe sehr einsichtig aufgebaut, zu der eine so große Menschenmenge allen Alters und Stände herbeigeströmt ist, um die Gestalt des geborenen Jesus anzubeten, an zwanzig zusammenhängenden Tagen, ungefähr 3 oder 4 Tausend. Unter diesen hat sich ein gewisser vornehmer Mann, dem seine Gattin einen Sohn geboren hat – in derselben Nacht und auch zur selben Stunde wie Christus geboren worden ist –  an der Krippe dargeboten, er hat erlaubt getauft zu werden und er ist mit seiner Frau zum Taufanwärter gemacht worden.

Quellen

1https://books.google.de/books?id=lrZPAAAAcAAJ&printsec=frontcover&dq=philippe+de+Berlaymont&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi-qbOM3snKAhVJ_HIKHZj-BY4Q6AEIJTAA#v=onepage&q=philippe%20de%20Berlaymont&f=false)

2 Schwemer: Studien zu den frühjüdischen Prophetenlegenden Vitae Prophetarum, Bd.1, Die Viten der großen Propheten Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Daniel ) Gebundene Ausgabe – 1. Januar 1995

 

Die Mesner der St. Luzenkirche in Hechingen und ihre Krippe

Seit Jahrhunderten schon wird zur Weihnachtszeit die Barockkrippe in St. Luzen aufgebaut. Die Mesner der St. Luzenkirche haben sie über all die Jahre bewahrt, erneuert und ergänzt, um an Weihnachten die Ereignisse um die Geburt Jesu anschaulich zu machen. Wer waren nun die Frauen und Männer, die diese Tradition lebendig gehalten haben?

Frater Isaak Schmid

Frater Isaak Schmid – der letzte Bewohner der Klosters St. Luzen

Nach der Aufhebung des Franziskanerklosters St. Luzen lebte Frater Isaak Schmid ab 1832 allein im Kloster, und zwar in der „an die Kirche anstoßende Stube und Kammer nebst Küche“. Er war für die Mesnerarbeiten zuständig und er kümmerte sich wohl auch um die Krippe. 1819 hatte er zusammen mit seinem damals noch lebenden Mitbruder Frater Irenäus Ertle das „Inventarium über die vorhandenen Kirchgeräthschaften bei St. Lutzen“ unterschrieben. Darin befindet sich auch der bisher älteste Hinweis auf die Weihnachtskrippe, so heißt es dort: „In der Sakristei Kammer: zur Krippe 26 Personen, und die dazu gehörige Kleider. Außerdem: Nro. 15 befindet sich zu der Krippe gehörigen Gerädschaften“.1

Mit seinem Tod am 23.10.1857 erlosch endgültig der Konvent von St. Luzen und von nun ab besorgte ein weltlicher, vom Fürsten ernannter Mesner diese Arbeiten. Der Schuster Johann Martin Schmid wurde neuer Mesner, ihm waren diese Arbeiten nicht unbekannt, denn in den Unterlagen wird er „der Mesnergehilfe“ genannt.2 Nach dessen Tod 1860 ersuchte seine Witwe in einer gehorsamsten Bitte um die „Belassung der Mesnerdienste zu Sanct Luzen“, damit sie ihre „alten Tage ohne Noth u. ohne Demüthigung“ fristen könnte. Obwohl ihr Sohn sich „eifrigst angelegen seyn läßt, den Meßnerdienst gegenüber der hochwürdigen Geistlichkeit zu versehen“, wurde ihr diese Bitte nicht gewährt, sondern der Schuster Christian Boll wurde noch im selben Jahr zum Mesner bestellt.3 Auch ihm wurde die Wohnung und Teil des Gartens zur Nutznießung überlassen. Von ihm stammt das „Verzeichnis über kirchliche Arbeit bei St. Lutzen“ von 1871.4 Darin heißt es:

In der Charwoche das hl. Grab aufmachen,
auf Weihnachten das Kripple,
am Himmelfahrtstag den Altar auf dem Schrofen richten,
bei jedem Gottesdienst läuten – jeden Tag morgens früh 5 Uhr, 12 Uhr, 3 und abends 6 Uhr – 
bei jedem Gewitter und bei jedem Brand in der Stadt.
Die Kirche zu jeder Zeit rein halten.

Wie lange Christian Boll Mesner in St. Luzen war, ist aus den Unterlagen nicht ersichtlich. So bleibt auch unklar, ob der Geistliche und Schriftsteller Heinrich Hansjakob ihn oder seinen Nachfolger Stephan Eberle in dem Buch „Verlassene Wege“ beschreibt:5 Im Klosterhof unter einer Linde saß der alte Wächter des Heiligtums und ließ sich rasieren, denn es ist Samstag heute. Als er sich erhoben, glaubte ich einen greisen chinesischen Mandarinen vor mir zu sehen. Er ist auch klug wie ein solcher und weiß sich seinen Lebensunterhalt auf alle Art zu verschaffen. Den Hechingern stellt er in der Weihnachtszeit nach alter Franziskanerart eine Krippe in der Kirche auf, in der Charwoche errichtet er ein heiliges Grab, beidemal aber vergißt er nicht, eine Opferbüchse aufzustellen für sich, den Hirten an der Krippe und den Wächter am Grabe. Auch die sonst im Jahre seinem Heiligtum sich nahen, sind ihm tributpflichtig. 

Nach dem Wegzug von Stephan Eberle wurde Adelbert Ströbele 1916 Mesner. 44 Jahre lang war er der Hüter der St. Luzenkirche. Er baute nicht nur jedes Jahr die Barockkrippe in der Antoniuskapelle von St. Luzen auf, sondern er fertigte selbst eine große Landschaftskrippe an. Diese konnte in seiner Wohnung, der Mesnerwohnung seiner Vorgänger, angeschaut werden. Nach Ströbeles Tod 1960 übernahmen seine beiden Töchter die Mesnerdienste und stellten wie alle früheren St. Luzenmesner die Krippe auf, so auch am 23.12.1967. Was dabei geschah, beschrieb der Landeskonservator von Hohenzollern Oscar Heck einen Tag später folgendermaßen:6 „Gegen 15 Uhr stürzte in der südlichen (Antonius)kapelle der St. Luzenkirche in Hechingen der Gewölbe-Schlußstein auf den gerade in diesem Augenblick im Aufbau begriffenen Unterbau der Weihnachtskrippe herab. Die Mesnerin, Frau Merz geb. Ströbele, sei gerade einige Augenblicke außerhalb der Kirche beschäftigt gewesen, als der Absturz geschah. Hätte sie sich in der Kapelle befunden, so wäre sie in große Gefahr gekommen.“ Im Polizeibericht wird die Vermutung geäußert, dass „es nicht auszuschließen ist, dass mit den Spitzen der Christbäume an die wohl lose Rosette angestoßen wurde.“ Die HZ vom 30.12.1967 meint dagegen: „Die starken Schäden in St. Luzen sind zweifellos durch Düsenjäger noch gefördert worden.“ Wie auch immer, die Kirche musste wegen Baufälligkeit geschlossen werden.

Nachdem der Fürst von Hohenzollern 1970 die Kirche der katholischen Kirchengemeinde Hechingen geschenkt hatte, konnte mit ihrer Renovierung begonnen werden. Die Wiedereröffnung war am 25. Oktober 1975. Neue Mesner waren inzwischen Hedwig und Anton Wolf, die anders als ihre Vorgänger nicht mehr vom Fürsten sondern von der Hechinger Kirchengemeinde angestellt wurden. Auch sie blieben der Tradition treu und stellten die Krippe – nun ebenerdig, da der Unterbau fehlte – in der Antoniuskapelle auf. Als die ersten Krippenfiguren 1985 renoviert nach St. Luzen zurückkehrten, entschied man sich, die Krippe nicht mehr in der Antoniuskapelle zu „verstecken“, sondern im Chorraum aufzubauen. Zunächst reisten die Restauratoren, das Ehepaar Früh aus Salem-Neufrach, noch regelmäßig zum Krippenaufbau an. 1995 bildete sich dann ein Krippenteam aus Hechinger Ehrenamtlichen um das Ehepaar Wolf, zu dem später auch das Mesnerehepaar Dorothea und Hubert Domiter gehörte.7 Nach dem Rückzug des Ehepaars Wolf wurde Ruthild Mangler aus dem Krippenteam die Verantwortliche für die Krippe, ohne Mesnerin zu sein. Doch mit den Frauen und Männern, die früher Mesner in St. Luzen waren, verbindet sie eines: die Liebe zur Krippe von St. Luzen.

Literatur

1 Werner: Die Säkularisation des Franziskanerkloster St. Luzen und des Kollegiatsstifts St. Jakobus in  „Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte“ 38./39 Band, 2002/03, S.137/138
 2 Pfarrarchiv Hechingen, vorläufiges Verzeichnis Nr. 166, Mesnerdienst in St. Luzen
3 ebd.
4 Werner: Die Säkularisation des Franziskanerklosters St. Luzen und des Kollegiatsstifts St. Jakobus in „Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte“ 38./39 Band, 2002/03, S. 148
5 ebd. S. 171
6 Pfarrarchiv Hechingen, vorläufiges Verzeichnis Nr. 104, Kloster St. Luzen Renovierung
7 mündliche Auskünfte von Hedwig und Anton Wolf

Foto: Frater Isaak Schmid, der letzte Laienbruder des Franziskanerklosters St. Luzen
Aquarell (Kopie) v. Forstmeister Friedrich Pfeiffer, Hohenzollerische Heimatbücherei G  739

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